Photograph, Reporter und Journalist, Filmproduzent, Moderator und Schriftsteller: Der Lieblings-Umweltschützer der Franzosen heißt Nicolas Hulot und wurde 2017 zum Umweltminister ernannt. Mit vollem Namen ist es das Ressort „für den ökologischen und solidarischen Übergang". Lange hat er sich gegen das Ministeramt gesträubt und zahlreiche ihm angebotene Ämter abgelehnt. An der Seite von Emmanuel Macron war es dann allerdings doch so weit. Aber wer ist Nicolas Hulot, der Minister der allen Umweltschützern neue Hoffnung schenkt? Er wurde am 30. April 1955 in Lille, in Nordfrankreich geboren. Seine Mutter ist Hausfreau und Pharmareferentin, sein Vater, der früher in Venezuela Goldsucher war, ist Unternehmer. Er besucht das Lyée Saint Jean de Passy in Paris und widmet sich anschließend einige Monate über dem Medizinstudium. Neben dem Studium probiert er verschiedene Nebenjobs aus: Er arbeitet in einem Bootsverleih, als Kellner und als Segellehrer. Mit 18 entdeckt er die Photographie für sich und tut sich mit dem Photo-Journalisten und Gründer der Presseagentur SIPA Goksin Sipahioglu zusammen.

Nicolas Hulot, der Reporter

Er bereist 5 Jahre über die ganze Welt, meist unter schweren Bedingungen und entdeckt seine Abenteuerlust und sein journalistisches Talent. Er wird Zeuge von prägenden Ereignissen und produziert Reportagen über das Leid der Menschen in Kriegsgebieten oder nach Naturkatastrophen. Bei seiner Arbeit hat er das Glück, die schönsten Orte und Landschaften dieser Welt zu erleben. Er berichtet über den Bürgerkrieg in Zimbabwe und über die Abschaffung der Apartheid in Südafrika. Am 2. November 1979 wird der Gewaltverbrecher Jacques Mesrine in Paris erschossen. Nicolas Hulot gehört zu den ersten Journalisten am Ort des Geschehens, entscheidet sich aber dafür, nicht zu fotografieren. Durch die Photographie kommt er zur Presse. Ende der 70er wechselt er ins Radio und wird Teil des Teams von France Inter.

Eine erfolgreiche Karriere als Filmemacher

Sieben Jahre später beginnt seine Karriere als Moderator der TV-Sendung Ushuaia, le magazine de l'extrême, eine Dokumentationsserie mit Themenschwerpunkt Natur und Umweltschutz. Darin bereist er ungewöhnliche und beeindruckende Orte dieser Welt und nutzt dafür ausschließlich umweltschonende Transportmittel mit geringem oder keinem Schadstoff-Ausstoß. Er wird zum prominentesten Umweltschützer Frankreichs. 1990 ruft er die Umweltschutzorganisation Fondation Ushuaia ins Leben, die 1995 in die Stiftung Fondation Nicolas Hulot pour la nature et l'homme unbenannt wird. Noch heute hat er den Vorsitz inne. Die gemeinnützige NGO betreibt Aufklärungsarbeit rund um das Thema Umweltschutz und Natur und versucht, ein globales Umdenken voranzutreiben.

Sein politisches und ökologisches Engagement

Der Moderator erfreut sich sowohl bei den Franzosen als auch bei den politischen Führungskräften großer Beliebtheit und nutzt diesen guten Ruf, um den Umweltschutz auch politisch voranzutreiben. Im Laufe der Jahre konzentriert er sich immer mehr auf sein politisches Engagement. Er berät Laurent Fabius, Jacques Chiras, Nicolas Sarkozy und François Hollande zu Umweltfragen. Allerdings lehnt er alle Posten, die ihm angeboten werden, kategorisch ab. 2007 kündigt Nicolas Hulot an, dass er bei der bevorstehenden Präsidentschaftswahl nicht kandidieren wird, obwohl laut einer Volksbefragung 11% für ihn stimmen würde und er zahlreiche Unterstützer hat. Er ruft jedoch die Kandiaten dazu auf, einen „Ökologischen Pakt" zu unterzeichnen. 5 von 12 Kandidaten, darunter Ségolène Royal, Nicolas Sarkozy und François Bayrou folgen seinem Aufruf. Der Pakt listet 10 Ziele und 5 Lösungsansätze für nachhaltige Entwicklung. 2011 tritt Nicolas Hulot bei den Vorwahlen von Europe Écologie – Les Verts für die Präsidentschaftswahl 2012 an, kann sich allerdings gegen Eva Joly nicht durchsetzen. 2015 ist er an der erfolgreichen Organisation der COP21 in Paris beteiligt. 2016 lehnt er eine Kandidatur zur Präsidentsschaftswahl 2017 trotz zahlreichen Befürwörter ab. Er gibt auch keine Wahlempfehlung ab.

Er gehört zu den beliebtesten TV-Gesichtern Frankreichs. Dennoch ist Nicolas Hulot nicht vor Kritikern sicher. Besonders die Verbindungen zwischen seiner Stiftung und großen, wenig umweltschonenden Konzernen wie etwa die französischen Elektrizitätsgesellschaft EDF, Vinci oder L'Oréal geraten häufig in die Kritik. Viele werfen ihn auch vor, das kapitalistischen Wirtschaftssystem nicht radikal genug zu kritisieren. Seine Ernennung zum Umweltminister weckt bei viele Menschen in Frankreich und Europa allerdings große Hoffnung. Sein jahrelanges Engagement für den Umweltschutz verleiht ihn eine große Legitimation, so dass viele auf große Veränderungen vertrauen.